Säuglinge sind Traglinge

  • Nachgewiesenermaßen haben getragene Babys eine regelmäßigere Herzfrequenz als Kinder, die in einem Kinderwagen geschoben werden
  • Der Schock der Umgebungsveränderung nach der Geburt wird abgemildert, wenn man sein Kind in einem Tragetuch trägt
  • Geräusche werden ähnlich wahrgenommen wie im Mutterleib, das fest gebundene Tuch vermittelt das vertraute Gefühl von Enge wie im Mutterleib
  • Menschliche Neugeborene haben von Anfang an den Klammerreflex (Moro-Reflex) beim Fallen, sowie den Greifreflex (Palmar-Reflex: Säugling ballt die Faust, sobald seine Handfläche berührt wird), sie sind also Traglinge
  • Legt man ein Neugeborenes auf den Rücken bzw. hebt es hoch, nimmt es instinktiv die Anhock-Spreizhaltung ein, mit der es beim Getragenwerden enger am Körper der Eltern anliegen kann.
    • Die Anhock-Spreizhaltung: Die Beine sind angehockt, die Knie auf Nabelhöhe und die Oberschenkel leicht abgespreizt. In dieser Stellung drücken die Köpfe der Oberschenkelknochen ins Zentrum der Hüftpfannen. Die Belastung der Pfannenränder ist gleichmäßig verteilt.
  • Leichte Hüftdysplasien kann man auch durch Verwendung eines Tragetuches ausgleichen, ohne dass die Verwendung einer Spreizhose nötig wird.
  • Tragen in der Anhock-Spreizhaltung kann Hüftdysplasien vorbeugen
  • Die Bewegung während des Tragens fördert außerdem die Durchblutung von Knochen und Gelenken sowie Muskeln – und damit die raschere und bessere Verknöcherung und frühere Kräftigung der Muskeln.
  • Weil das korrekte Tragen die Bildung gesunder Hüften ideal fördert, kann Tragen vor allem im Babytragetuch als präventive oder gar unterstützende Maßnahme bei Hüftdysplasie eingesetzt werden.

 

Die Wirbelsäule

Im Mutterleib war die Wirbelsäule des Kindes wohlgerundet und sanft gestützt (totale Rundung der Wirbelsäule=Totalkyphose). Das Baby schwebte sozusagen in der Fruchtblase und war keinerlei Belastung ausgesetzt. Die kindliche Wirbelsäule nimmt die Doppel-S-Form, die Stöße besonders gut abfedert, erst im Laufe der Zeit an. Dies geschieht mit dem Fortschreiten der motorischen Entwicklung.

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© Annette Gack, Tragenetzwerk

Das Tragen kommt der Wirbelsäule des Säuglings entgegen, da sich die doppelte S-Form erst während des ersten Lebensjahres entwickelt.

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© Annette Gack, Tragenetzwerk

 

Die Streckung der Wirbelsäule verläuft in drei Phasen:

1. Nach der Geburt ist der Rücken rund (Totalkyphose). Nach etwa 6 Wochen beginnt das Kind, den Kopf zu heben. Wenn das Kind sich mit etwa 4 Monaten auf die Unterarme stützen kann, ist die Streckung (beziehungsweise: die Halswirbel richten sich nach oben-vorne auf) der Halswirbelsäule fertig vollzogen (Halslordose).

Halslordose_klein

© Annette Gack, Tragenetzwerk

Halslordose

2. Als Nächstes beginnt das Kind, sich aufzusetzen. Dazu werden die Brustwirbel nach oben-hinten aufgerichtet. Die sogenannte Brustkyphose ist vollzogen, wenn das Kind selbständig sitzen kann, das heißt, von alleine über Rotation in den Sitz kommt.

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© Annette Gack, Tragenetzwerk

3. Zuletzt folgt die Lendenlordose. Die Lendenwirbel richten sich nach oben-vorne auf, sobald sich das Kind an Gegenständen hochzuziehen beginnt. Abgeschlossen ist diese Phase – und damit die gesamte Streckung des Rückens – mit dem freien Gehen des Kindes.

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© Annette Gack, Tragenetzwerk

Wirbelsäulenansicht:

© Nicole Rudolf, www.stillen-und-tragen.de

© Nicole Rudolf, www.stillen-und-tragen.de

Physiologisch gesehen ist das Liegen im Bettchen/ Kinderwagen für den Säugling nicht sinnvoll denn dort wird die allmähliche Streckung der Wirbelsäule nicht durch die wachsende Muskelkraft bewirkt sondern durch die Schwerkraft, der aber das Baby in den ersten Monaten nichts entgegen zu setzen hat. Im fest und gleichmäßig um den Babykörper geschlungenen Tragetuch wird die Wirbelsäule optimal gestützt und kann sich selbst mit steigender Kraft strecken.